Taschengeschichte

Im Mittelalter wurden, zuerst nur von Männern, Taschen
aus Stoff oder Leder am Gürtel befestigt. Im 15. und 16. Jahrhundert trugen auch Frauen Taschen, die an Ketten
oder Riemen vom Gürtel herabhingen.

Im 16. und 17. Jahrhundert kamen beutelförmige Taschen auf, wurden aber seltener getragen. Verbreiteter waren ein oder zwei unter dem weiten Rock versteckte Täschchen, die durch einen Schlitz im Rock zu erreichen waren. Diese Art von Taschen - auch auf dem Unterrock aufgenäht – waren sehr lange üblich und sind bei Trachtenkleidern noch heute zu finden. Im Hause des Künstlers; Moritz von Schwind, 1860 Im 18. Jahrhundert gehörte der Pompadour zur modischen Bekleidung. Das auch Ridikül genannte Accessoire war ein meist aus Seide genähter Beutel ohne festen Boden, der sich oben mit zwei Schnüren schließen ließ, die dann als Griff oder Schulterriemen dienten.

Die Mode des Directoire mit ihren immer engeren und durchsichtigeren Gewändern machte schließlich den Gebrauch der Handtasche unumgänglich, weil die Taschen nicht mehr wie zuvor unter den Kleidern angebracht werden konnten.

Um 1805 hatten sich die Frauen, die das Mieder als Oberbekleidung trugen, endgültig etabliert, und ohne Handtasche ging keine mehr aus dem Haus.

1846 wurde der Metallrahmen erfunden, so dass sich die Handtasche in der Folge deutlich von ihren beutelförmigen Vorgängerinnen unterschied und eine größere praktische und modische Bedeutung erlangte. Als strapazierfähige Taschen mit Tragegriffen gefragt waren, die man auf Reisen mitnehmen konnte, wurden die ersten Handtaschen aus Leder gefertigt. Diese Taschen sahen eher wie ein kleiner Koffer aus und hatten erstmals einen Schnappverschluss.

Mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die Handtasche schließlich ein nicht mehr wegzudenkendes modisches Accessoire für die Damenwelt, das nicht nur einigen wenigen vorbehalten war.

20. Jahrhundert 

 Nach dem 1. Weltkrieg war Leder knapp und teuer, so dass selbst bekannte Modehäuser sich mit Baumwollstoffen versuchten. Gleichzeitig nahm in den 1920er Jahren der Anteil der verwendeten synthetischen Materialien extrem zu. Der von den Transportsäcken der kanadischen Armee übernommene Reissverschluss wurde 1923 salonfähig. Einen modischen Höhepunkt erlebten die minimalistisch gestalteten Etui-Taschen (Pochette), die entsprechend ihren Vorbildern aus dem 18. und 19. Jahrhundert eine Klappe ähnlich einem Kuvert hatten.

In Mode waren außerdem die altbekannten Taschen mit der von einem Rahmen bestimmten Form. Hinzu kamen exotisch aussehende Tanz-Täschchen sowie aus Metallgliedern gefertigte, unten zum Teil mit Fransen verzierte Netztaschen.

Im Laufe der 1930er Jahre wandelte sich das Taschen-Design allmählich, und die geometrischen Formen und Muster des Art Deco wichen wieder einer verspielteren und zum Teil prunkvollen und auch künstlerisch hochwertigen Gestaltung. Dazu gehörten zum Beispiel Seidenapplikationen sowie kunstvolle Samt- und Chenille-Stickereien, und auch Schließen und Bügel wurden immer aufwändiger und exotischer. Wegen der sinkenden Kaufkraft der Bevölkerung griffen die Hersteller aber auch immer häufiger auf Kunststoffe wie Zelluloid oder Bakelit zurück. Unterarmtaschen gehörten nach wie vor zu den bevorzugten Modellen; Abendtaschen mit antikisierenden Motiven in gedämpften Farbtönen waren der letzte Schrei. Ende der 30er Jahre wurden die Taschen größer und die Tragriemen länger. Schultertaschen und Umhängetaschen gaben der Trägerin "freie Hand".

Mit großen Taschen aus Leinen und synthetischen Materialien entsprachen die Hersteller den für breite Bevölkerungsschichten zunehmenden Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Messenger bag aus alter Lkw-Plane mit Sicherheitsgurt In der 1950er Jahren kamen aus den USA mit dem Geld für die Wirtschaft auch die modernen Materialien wie Nylon, PVC und Kunstleder, die das Bild entscheidend mitbestimmen sollten. Die Handtaschen zeigten in diesem Jahrzehnt meist kantiges Profil. Neben sich nach oben verjüngenden Rahmenhandtaschen mit breitem Boden bestimmten allerlei kasten- und schachtelförmige Behältnisse mit Griff, Bügel oder Schlaufe die Mode. Eine andere Antwort auf die Lederknappheit waren die geräumigen, aus Stroh und Bambus bestehenden Korbtaschen aus dem sonnenfrohen Italien, die auch in Amerika Furore machten. Die Handtaschen für die elegante Dame wurden wieder kleiner und zierlicher; Pompadours mit Schlaufe und Unterarmtaschen sowie Etui-Taschen für den Abend waren en vogue.

Quelle Wikipedia